Willkommen im alten Zerbst

Ankuhnsche Strasse um 1920

„als im Ankuhn sich Menschen ansiedelten und bis heute wohnen!“
Helmut Hehne, Zerbst

Eine der ältesten Benennungen eines Gebietes in unserer unmittelbaren Umgebung, ist der Ankuhn. Die kleine bis 1849 eigenständige Vorstadt im Norden der Stadt Zerbst.
Folgende Ableitungen des Wortes sind uns bekannt:
1213 = Anchun, 1214 = Ankun,
1264 = Thancon, das Th entspricht dem angelsächsischen the = englisch der.
1266 = Anchone, 1270 = Anchone, könnte abstammen von Ancon, eine Hafenstadt an der Adria, damals eine Kolonie von Syrakus: oder vielleicht ganz bestimmt vom althochdeutschen „anakin“ = dialektisch ankun = Anfang oder anagin = Beginn! lausitz-wendisch: na konc, poln. na Konca = am Ende, am Ausgang. Am Ende der Stadt Zerbst gelegener Ort.

1276 = Ankun, heute Ankuhn.
1572 dann im Volksmund = der Flecken oder das Städtlein genannt.


Der Nachweis ob es eine flämische Kolonie zurzeit Albrecht des Bären sei, ist nicht zu beweisen.
Aber auch ein slawischer Ursprung des Namens wäre möglich. Der Name bedeutet dann so viel wie „Anfang“ – „Beginn“!
„Ankum“ gibt es als Standort in Westfalen, durch Zuwanderung von Menschen wurde hier die Stelle benannt! Auch in Dessau gibt es eine Straße „Ankuhn“!
Das Stadtsiegel der Gemeinde Ankuhn ist öfters hinterlegt. Mit der Umschrift
„ oppidum“ wurde benannt:eine militärische Befestigung/Verschanzungein fester Platz, meistens einkleineres Landstädtchen.

Der mittelalterliche Siechenhof, eine Art Hospital, ist aus dem Jungfrauenkloster hervor gegangen.
1208 als Armenhospital gegründet
1214 durch Ida von Zerbst in ein Nonnenkloster umgewandelt
1298 zum Breedetor verlegt.(heutige Berufsschule)

1833 im Ankuhn = 77 Einwohner.
Am 25. September 1707 brannte es in der Vorstadt Ankuhn. Sonntag zwischen 9.00 und 10.00 Uhr brach das große Feuer aus. Innerhalb zweier Stunden waren 21 Häuser nicht mehr da, sie waren niedergebrannt. 1 Toter = Meister Mathias Deschau war es. Nach der Meinung in der Predigt des Pastors Trmpenau war es ein „Zornfeuer“, welches sich entzündete, wegen der Sünden willen.
Im Jahre 1836 hielt „Kula“ (ein Name?) zum Ankuhner Johannismarkt auf der Hospitalschäferei Horn- und Tanzmusik ab. Es gab Rehbraten und frische Wurst.
(Zerbst. Extrapost)
Im Oktober 1926 fand man im Ankuhn ein nordisches Feuersteinbeil, welches aus dem Neolithikum stammte. (M. König)
Das Volk (Germanen?) welches im Ankuhn siedelte, bestattete seine Toten auf einem sandigen Hügel bei der Magdeburger Straße, heute in der Nähe des Neuen Weges, bei der Gemüsevermarktungshalle) Das Gräberfeld wurde im Jahre 1930 mit dem Pflug rigolt. Es ist ein Latene-Gräberfeld, also bis ungefähr 50 vor der Zeitrechnung.
Um das Jahr 0 wandern die hier wohnenden Leute ab (Sweben) und Wandalen (Slawen) siedeln hier. Ab dem Jahre 100 ziehen dann alle weg. (keine Friedhofsfunde mehr)

Marktstraße

Das Ankuhner Rathaus befand sich in der Lindauer Straße Nr. 14.
In dem Hause befand sich die Gaststätte „Ratskrug“ und war nicht mehr lebensfähig. In dem so genannten Sens’schen Hause bezog der Ankuhner Rat eine Mietwohnung.
Hier stand auch die im Jahre 1610 genannte „Ratswaage.“
Das Ratszimmer bestand bis zur Eingemeindung in die Stadt Zerbst bis zum Jahre 1850. Im Jahre1936 war hier der Besitzer Raue mit der Gastwirtschaft „Zum Löwen!“
Am 19. Juni 1836 wurde eine Badeanstalt in der Nähe des Ankuhn in der Nuthe eröffnet. Sie war sehr mangelhaft. (Extrapost 6.6.1936)
Wiederum im Juni 1856 unterhalb der Kötschauer Mühle und hinter Nindels Garten vor dem Dornburger Tore wurden öffentliche Badeplätze eingerichtet. (Extrapost)

Die Eingemeindung des Ankuhn auf der Grundlage der Beschlüsse beider Gemeinderäte wurde mit Vertrag vom 18. Februar 1850 (auch 8. Februar 1850 genannt) vollzogen.

Straßen: (Die anhaltischen Land- und Amtsregister des 16. Jahrhundert, bearbeitet
von Reinhold Specht 1940)

Kirchgasse (bei der Pfarre)
Kreuzgässchen
am Siechentor
Grünenstraßen
Wallstraße
Lindische Straße
Lindisches Tor
Markt

weiterhin: Gasse hinter der Schenk und Pfarr (heute verlängerte Marktstraße)
Im Kreutzgäßlein
Quergäßlein von der Grünen Straße, do wo man durchfahren kann
der Mittelkreis an der Lindischen Gasse und der Kreuzgassen
vor dem Kreuz südlicher Teil (Markt)
am Margkt gegen den Krug
Kreuzgassen hinter dem Kirchhof
Paddengasse (Lage unbekannt)
Totengasse

Herr Kinnemann

in einem Ankuhner Gewächshaus

Teiche:
In einem Stadtplan aus dem Jahre 1798, bei Helmut Hehne, sind noch folgende Teiche zu sehen. Am Lindauer Tor in Richtung der ehemaligen Kötschauer Mühle, der „Lindauer Teich“. Dieser wurde jahrelang durch die Bürger der Gemeinde Ankuhn mit dem anfallenden Restmüll, Schutt und Asche verfüllt. Bei Aushub des Flutgrabens in Richtung Buschmühle wurde mit den anfallenden Erdmassen der obere Bereich des Teiches verfüllt und einplaniert.
Der zweite Teich ist im Bereich des ehemaligen Siechentores neben dem jüdischen Friedhof im Stadtplan 1798 vorhanden und mit „Scharfrichter Teich“ bezeichnet. Er ist ebenfalls heute nicht mehr zu erkennen.

Mühlen: (alles Wassermühlen an der Lindauer Nuthe.
Fur Kisen mulen (heute Blumenmühle)
Kötschauer Mühle, Ankuhnsche Mühle, jetzt auch Rückerts Mühle genannt!)

1859 bis 1860 Ausschachtung = mit Erdmassen wurde der Lindauer und der
Scharfrichterteich verfüllt und abgedeckt.

1886 = Neuordnung der Straßen durch einen Stadtratsbeschluss in Zerbst
Man orientierte sich in Anhalt nach der preußischen Städteordnung,
erarbeitet durch den preußischen Minister Freiherr von Stein.

Hierbei wurde aus der Wallstraße der Große und der Kleine Wall, Zerbster
Straße wurde Ankuhnsche Straße mit den Hausnummern 1 bis 14.
1887 = werden noch zwei weitere Straßen benannt:- Fliedergasse, genannt nach den hier üppig wachsenden
Fliederbüschen - Bolzengasse, die Benennung ist nicht ganz klar. Hier wohnte
einst der Ankuhner Scharfrichter Boitz, oder benannt nach
dem norddeutschen oder holländischen Ausdruck „Bolz“, er steht für den Ausdruck „Kater“?

Wo die Ankuhnsche Badstraße oder Ankuhnsche Badergasse war ist unbekannt!
Vermutlich im Bereich der Broihansgasse, denn bevor es Broihan (helles Bier) gab in Zerbst war wohl die Bezeichnung im Umfeld des Ankuhnschen Tores zu suchen?

Ankuhner Markttreiben um 1904

Im Rahmen der Vortragstätigkeit des Zerbster Heimatvereins e.V. im Jahre 2008 "Unsere Vorstadt Ankuhn" suchen wir noch Dokumentationsmaterial, wie alte Dokumente jeder Art (auch aus der Zeit nach 1945) Bilder, auch aus der Familie, Häuserbilder usw. Lieferscheine von Gemüse (vor 1920), auch ZAGO.Wer dazu etwas beisteuern kann und es leihweise zur Verfügung stellt, wendet sich bitte an die Mitglieder des Zerbster Heimatvereins: Helmut Hehne, Breitestein 26 in Zerbst (03923-781579) oder Franz Stephan, Großer Wall 46 in Zerbst (03923-782186)

Ja, in unserem Ankuhn...

Kartoffellangefrauen um 1952

In unserem Ankuhn
da gibt es viel zu tun.
Will der, der auf sich hält
mit Anstand durch die Welt,
die Arbeit reißt nicht ab,
drum geht es stets halb trapp.
Im Winter nur, wenn`s schneit,
ist faule Zeit.

Im Frühling wird das Land bestellt,
man gräbt die Gärten, pflügt das Feld.
Im Sommer wieder macht man Heu
und vieles andere nebenbei.
Im Herbst räumt man Gemüse ein,
und schlachtet sich dann auch ein Schwein.
Damit man was zu beißen hat
sobald der Winter naht.

Ein Dritter züchtet Gurken schlank,
der Vierte morkelt Pindel mang,
der Fünfte aufs Geratewohl,
pflanzt seinen Blumenkohl.
Nach Magdeburg und Medewitz,
nach Halle und nach Chemnitz,
nach Leipzig und Genthin,
nach Dresden und Lobejün,
geht unsre Ware hin.

Mit Freud erfüllt es Jedermann,
dass selbst die große Stadt Berlin
bisher ohne uns nicht leben kann,
so wenig, wie wir ohne Berlin.
Drum bliebe noch ein Werk zu tun,
ein Werk bisher noch ungetan,
Die Eisenbahn Berlin – Ankuhn,
die Ankuhner – Berliner – Bahn!

In der Ankuhner "Krauterei"...

Ja in der Gärtnerei gibt’s Arbeit vielerlei.
Wenn`s Land gefroren ist, dann fährt ein Jeder Mist.
Und ist das Wetter nass, kommt man mit`s Jauchefass.
doch wird es schön, alsdann fängt Graben an.

Im Winter, wenn kein Frost ins Land,
nimmt man den Spaten schon zur Hand.
Da wird geschachtet und rigolt,
und mit der Feldbahn rum karjolt.

Der Eine pänt die Allejahr,
der andere fährt nach Holland gar.
Am meisten freut sich jedermann,
wenn er Kram machen kann.

Kaum ist der Frühling ran,
kommt Heinrich Kinnemann
mit Handwerkszeug gerannt
und gräbt Kartoffelland.

Im Weinberg fängt er an,
dann kommt der Pastorplan dran.
Und wer ihn graben sieht,
macht gleich selber mit.

Die Krügerin will nach dem Riethof hin,
denn die Leihwurzeln sind noch drin.
Zum Hausplan eilt Hermann Brandt
mit Schotensaat hin halb Trapp,
die fressen ihn die Karnickel ab.

Auf dem runden Hof plackt sich
Gott erbarm – der kleene Harm.
Dem Einen macht es sehr viel Spaß,
wenn er Radies zieht unter Glas.

Ein Jeder seine Freude hat
an Treibhausgurken und Salat!

Spargelfest

von Joachim Morgenthal, Bärenthoren

In Zerbst wächst feinster Spargel.
Das ist im Land bekannt.
Im Mai und auch im Juni
wühlt er sich durch den Sand.

Die Nuthe gibt den Stangen
das köstliche Odeur.
Ob mit, oder ohne Schnitzel
bekommt er uns gar sehr.

Als Suppe, als Gemüse,
mit Soße oder nicht
ist unser Zerbster Spargel
ein herrliches Gericht.

Mit Butter schmeckt der Spargel
besonders delikat.
Ob Zerbst vielleicht nur deshalb
die Butterjungfer hat?

Drum auf von nah und ferne!
Macht doch mal selbst den Test
und kommt auf alle Fälle
nach Zerbst zum Spargelfest!

bei Herrn Raue

während der Ernte

Im Ankuhn

Dort, wo die Nuthe windet sich
gleich einem schwarzen Tintenstrich,
wo Garten sich an Garten reiht,
wo Boden voller Fruchtbarkeit,
wo Selleriekraut und Majoranduft
durchwürzt die laue Herbstesluft,
wo Häuser steh’n schlicht und traut,
auf die herab ein Kirchturm schaut,
wo Menschen wohnen brav und bieder
wo froh ertönen lust’ge Lieder,
wo man nicht rasten kennt und ruh’n,
da ist die Vorstadt Zerbst – Ankuhn.

Franz Stephan

ein original Ankunhner Krauter

Ja, im Ankuhn, wer wollt’s beschreiben
da fängt die Arbeit an beizeiten,
gilt es doch dort vor allen Dingen,
Ertrag des Bodens zu erringen.
Gemüsebau und Landwirtschaft
erfordern stets die volle Kraft,
drum war der Fleiß auch stets der Ruhm
der alten Gartenstadt Ankuhn.

Es bietet fast zu jeder Zeit
Ankuhn ein Bild der Tätigkeit.
Und selbst in langer Wintersnacht,
wird täglich Kram gemacht.

Ja, noch in tiefsten Winterzeiten,
meist schon, fürs Frühjahr vorbereiten.
Die Pflanzkartoffel wird sortiert,
auf Horden schön dann arrangiert.
Die Horden im Gestell vereint,
steh’n in der Stube wo’s gut keimt.
Dann legt man Mistbeetkästen an,
worin man zeitig ernten kann.
Man sät Salat darin, Radies,
dann Gurken, interessant ist dies.

Wenn weiter sich die Sonne hebt,
dann wird’s im Garten auch belebt.
Man düngt und streut, fängt an zu graben,
Ja, Gurkenland will Pflege haben.
Doch geht’s nicht gleich ans Gurken pflanzen,
nein, zum gewissen Schutz des Ganzen
und will man zeitig sie will kochen,
pflanzt man Kartoffeln, die „Sechs Wochen“.

Ankuhner Hochzeit

Die Gurken, meist ist’s eigne Saat,
erfordern Sorgfalt früh bis spät.
Man keimt, man sät und man vertopft,
zuletzt man sie in Töpfe stopft.
Und dann im schönen Monat Mai,
beginnt die Gurkenpflanzerei.
Alles was Kopf und Beine hat,
das hilft und plagt sich nicht zu knapp.
Und wer da glaubt, das sei so süß,
der Garten sei ein Paradies,
der wird bald andrer Meinung sein,
tritt er hier nur als Helfer ein.

Jetzt fertig auch die Pflanzarbeit,
hält man noch Pflanzen stets bereit.
Denn Nachtfrost, Trockenheit und Hitze,
die machen oft noch schlechte Witze.
Und bringen oft noch viele Pflanzen um,
nee, nachpflanzen ist nötig drum.

Kohlernte im Ankuhn

Nicht alles lässt sich hier erzählen
womit ein Gärtner sich muss quälen,
drum geh’, ich schnell vier Wochen weiter,
und – der Ankuhn ist froh und heiter.
Die erste Ernte hat begonnen,
die Neuen, die Frühkartoffeln kommen.
An fest gesetzten Liefertagen
sieht man lange Reihen – Lieferwagen.
Wie sie mit diesem Erntesegen
sich voll bepackt zur Bahn bewegen.
Man weiß, dass Leipzig diese Stadt
sehr viel Bedarf an so was hat.

Wenn die Kartoffelzeit vorüber
dann wird die Stimmung auch nicht trüber.
Nein, überall ist Heiterkeit.
Jetzt kommt die Gurkenerntezeit.
Was für den Arzt und Totengräber
ne Seuche, das weiß jeder.
Was für den Wirt ein Stadtfest ist,
ein gutes Geschäft, wie ihr ja wisst,
das ist für die Ankuhner Leut,
Ne’ Gurken Erntezeit.
Wenn Gurken anderswo missraten,
dieweil die Hitze sie gebraten,
und wenn in Calbe sie erfroren,
wenn Zerbst allein ist auserkoren,
dass die Gurken gut gedeihen,
dann bringt die Gurkenzucht was ein.
Dann fährt der Wagen lange Reihe
zum Bahnhof hoch bepackt aufs Neue.

Vermarktungshalle

Von dort sieht lorenweiß man zieh’n,
die Zerbster Gurke nach Berlin.

Sind dann vorbei die Gurkentage
hat sich gelegt Aufregung – Plage,
dann feiert, wie dies stets der Fall,
Ankuhner ihren Gurkenball.
Da herrscht dann Frohsinn, Lust und Leben,
da können sich die Damen geben,
was bei der Arbeit ohne Strümpfe,
zeigt sich hier schon wie eine Nymphe.
Man weiß ja, Arbeit schändet nicht
und sie zerstört kein schön Gesicht.
Und Schönheit, wer wollt dies bestreiten,
gab’s im Ankuhn zu allen Zeiten.

So möge sich dann stets von neuem
ein biederes Volk des Daseins freuen.
Und größer werde stets der Ruhm,
der Gurkenzucht in Zerbst – Ankuhn.

Entwicklung der Ankuhner Einwohner

Die Zerbster "Pferdeschwemme"

Unmittelbar zwischen der Rohrteichwiese und der Ankuhner Straße Kleiner Wall, teilt sich die Lindauer Nuthe zum Mühlwasser und dem Freiwasser. Wasserkraft für die nachfolgende Mühle am Dornburger Platz. Diese vorgelagerte kleine Wasserfläche ist die Zerbster Pferdeschwemme. Heute mit einer modernen Fußgängerbrücke überquert. In früheren Zeiten wurden hier die Pferde des Ankuhn gewaschen und gepflegt. Auch ausgetrocknete Räder der Ackerwagen standen tagelang im metertiefen Wasser. (Bild aus dem Anfang der 30er Jahre)