Willkommen im alten Zerbst

SV Viktoria 03 Zerbst e.V.

1903 - 1945

Die Dokumentation eines Vereins der ab dem Jahre 1945 nicht mehr bestehen durfte.
von Helmut Hehne

Läufer des Sportvereins Viktoria 03

Zerbst auf dem Marktplatz ca. 1932-1934

Vereinsfahne

Am 15. August 1903, an einem Sonnabend, war der Gründungstag des Vereins,
„Viktoria 03 Zerbst e.V.


Viktoria die „Siegreiche“ – bereits zur damaligen Zeit ein wohlüberlegter Vereinsname. Die Vereinsfahne hatte die Farben rot – weiß – grün, längsgestreift. Auf dem weißen Streifen, man hatte sich der Anhaltischen Farben verpflichtet, stand ein großes V. Die im oberen offenen Buchstaben V stehenden Ziffern 03 kamen erst
später ins Vereinslogo und auf die Trikots der Sportler.
Zu den Gründungsmitgliedern gehörten:

  • Otto Gürtler
  • Otto Herrmann
  • Wilhelm Kilz
  • Paul Külz
  • Rudolf Kaminski
  • Paul Kirchner
  • Max Linke
  • Franz Lorenz
  • Georg Neundorf
  • Ernst Otto
  • Max Rettig
  • Arthur Weber

SV Viktoria 03

um 1921

Erste Tore bestanden aus zusammengebundenen Bohnenstangen.
Auch Fußballschuhe gab es noch nicht. Da mussten wohl die „Sonntagsschuhe“ herhalten, oder man spielte im Sommer barfuss.
In den folgenden Jahren trainierte man fleißig, sodass im Februar 1904 das erste Fußballspiel gegen
„Askania“ Coswig ausgetragen werden konnte.
Im August des Jahres 1905 wollte man einen „Anhaltischen Fußballverband“ gründen. Aber erst im August 1909 wurde Viktoria, laut Beschluss, Mitglied im „Verband mitteldeutscher Ballspielvereine (VMBV).
Im Vorstand des Jahres 1912 beim SV Viktoria wurde als Schriftführer Erich Kilz gewählt, welcher später große Verdienste um den Verein erwarb. In diesem Jahr wurden vom Vorstand erstmalig „Anteilscheine“ zum Wert von 5, - Mark ausgegeben, um zum Erwerb eines eigenen Sportplatzes zu kommen,
In der Zeit bis zum Ausbruch des I. Weltkrieges hatten sich viele Zerbster um den Verein verdient gemacht.

1925

Viktoria 03 Zerbst gegen VfB Leipzig auf dem Sportplatz Viktoria

Schwere Jahre im Vereinsleben standen bevor, so dass am 25.Juli 1914 die letzte
Mitgliederversammlung des SV Viktoria 03 stattfand. Ein Abschied für viele für immer.
Erst im November des Jahres 1918 kehrten die Ersten aus dem mörderischen Krieg zurück.
„Hertha“ Zerbst schloss sich im Jahre 1919 dem Sportverein Viktoria 03 an.
Zur Erinnerung an die gefallenen Vereinsmitglieder wurde ein Gedenkstein auf dem ehemaligen Sportplatz des SV Viktoria, heute der Sportplatz „Am Anger“, errichtet.
So ergab sich zwangsläufig im Jahre 1919 eine Neuwahl des Vorstandes. In ihm wurden neu gewählt:
1.Vorsitzender Hermann Grabe
2.Vorsitzender Otto Herrmann
Kassierer Emil Schramm
Schriftführer Erich Kilz
Am 13. Februar 1920, an einem Freitag, damit man das Wochenende vor sich hatte, zieht der Verein erneut in ein neues Vereinslokal um. Dieses Mal zur Gaststätte „Zur Münze“ auf die Heide.
Sieben Mannschaften beteiligten sich bereits am Spielbetrieb, nur Jugendmannschaften gab es leider noch nicht.
Der Verein zählte nun schon wieder 161 Mitglieder. Neue junge Spieler fanden zu Viktoria 03.
Die Leichtathletikabteilung im Verein hatte sich entwickelt, sodass im
Frühjahr 1921 zum ersten Mal der Staffellauf „Rund um Zerbst“ durchgeführt werden konnte. Auch eine „Platzzeitung des SV Viktoria“ erschien regelmäßig am Sonntag auf dem Sportplatz. Der Verkauf war eine wichtige kleine Einnahme für den Verein zur damaligen Zeit.

Staffellauf

am 12. Mai 1929

Bereits im März 1925 konnte der Zugang zum Sportplatz erworben werden, ca. 105 qm, sodass die Wegerechte für den Sportplatz gesichert wurden. Den ehemaligen Zugang zum Sportplatz erkennt man heute noch vom Anger aus.Im gleichen Jahr, der Spielserie 1925/26 wurde zum zweiten Mal die Anhaltische Gaumeisterschaft der ersten Klasse erworben. Als wäre es eine Bestätigung und ein Dank der Richtigkeit zum Kauf der Sportanlage. Folgende Spieler waren beteiligt:
Mohs. Hehne, Frenz, Finke, Schmidt, Rockar, Elsner, K. Koitzsch, Zobel, Schondorf, Behrend.
Die vereinseigenen Leichtathletiksportfeste hatten schon ein hohes Niveau erreicht.
Das Vereinsmitglied Hermann Koitzsch, ein großer Athlet, errang die Mitteldeutsche Meisterschaft im Speerwerfen. Viktoria Zerbst wurde auch hierdurch über die Grenze Anhalts bekannt. Leider kam auch er nicht mehr aus dem II. Weltkrieg zurück.
Im Jahre 1927 regte der Zerbster Stadtrat Kirchner, er war überhaupt ein weitsichtiger Mann, im Stadtrat an, entsprechend eines Projektes, ein Stadion auf die ehemalige Fohlenweide, zu bauen. Aber wie fast immer, musste das Unternehmen infolge finanzieller Notlage vom Zerbster Stadtrat abgelehnt werden.
Am Sonntag, dem 12. Mai 1929 hatte die Stadt Zerbst ein weiteres läuferisches Ereignis. Die Zerbster Sportvereine waren es, die einen großen Stafettenlauf durch die Stadt veranstalteten. Hunderte Zuschauer standen begeistert am Straßenrand und verfolgten das Geschehen. Natürlich war Viktoria 03 auch mit einer Mannschaft dabei. Ein Foto zeigt die Läufer am „Dicken Turm“ auf der Alten Brücke. Stafettenläufer waren für Viktoria 03 unter anderem Willi Berndt und Heinrich Wernicke. Beide waren auch hervorragende Leichtathleten.
1932 konnte wiederum die Anhaltischer Gaumeisterschaft errungen werden.
1933 gleich noch einmal Anhaltischer Gaumeister, die I. Fußballmannschaft.

Viktoria 03 Zerbst

Anhaltische Gaumeisterschaft 1926

1933 - Die Mannschaft zur

Zwischenrunde zur Mitteldeutschen Meisterschaft gegen Dresdner SC

Im Jahre 1933, SV Viktoria 03 Zerbst spielt in der Zwischenrunde zur Mitteldeutschen Meisterschaft gegen Dresdner SC in Dresden. Spielstand 8: 1. Eine große, schwere Niederlage, die der große Fußballkönig Richard Hoffmann den Zerbstern zugefügt hatte. Aber es wurde dabei auch der derzeitige Leistungsstand den Zerbstern aufgezeigt.
Die Namen der Spieler: Hehne, Rockar, Braunsdorf, Pflug I, Schondorf, Pflug II, Bombach, Schmidt, K. Koitzsch , Boes.
Sportsfreund Albert Hehne erhält, wie viele andere, die Silberne Ehrennadel des Sportvereins Viktoria 03 Zerbst e.V. mit der limitierten Auflage Nr. 008.

Höhepunkte des Vereins waren der 5 Vereine – Wettkampf, „ Quer durch Zerbst“ in der Leichtathletik. Ein Stafettenlauf von ca. 7,5 km durch Zerbst.
Dazu zählten: der 1. FC 1900 Zerbst, Viktoria 03 Zerbst, Schwimmclub 02 Zerbst Turnverein Gut Heil Zerbst und der Männerturnverein Zerbst. Man wollte ja wissen wo man mit seinen Leistungen steht. Im Jahre 1929 zum Beispiel waren es die Viktorianer, die den Sieg für sich verbuchen konnten. Dazu die schöne Bilddokumentation vor dem Zerbster Roland.

Vor allen waren die Jahre von 1937 bis 1944 geprägt von einer sehr guten Jugendarbeit im Verein. Zu dieser Zeit fallen einige sehr starke A – und B –
Jugendmannschaften auf. Ein Ergebnis einer zielgerichteten Jugendarbeit, die wir doch heute so oft vermissen. Der umsichtig tätige Jugendleiter Karli Berger hat eine hervorragende Arbeit geleistet, bis ihm im Jahre 1943 der Krieg ein steifes Bein hinterließ.

In weiterer Zeit, in den Jahren 1939 bis 1944, hatte man im Verein eine noch gut spielende I. Mannschaft der Sparte Fußball. Viele der Spieler waren auch in Rüstungsbetrieben und bei der Reichsbahn beschäftigt, sodass man diese Leute zum damaligen Wehrdienst nicht einziehen konnte.
In den Jahren 1943/44 fanden noch vereinzelt Spiele statt. Viele waren zum
Militärdienst einberufen oder waren in der Rüstungsindustrie tätig.

1945 nach dem Zusammenbruch wurden alle sportlichen Veranstaltungen grundsätzlich verboten. Auch hatte sich in der Sportlerunterkunft des Sportplatzes von Viktoria 03 ein „Ausgebombter“ aus der Not heraus einquartiert. Es war „Kantor Kilz“, richtiger Wilhelm Kilz, der jahrelang ein treusorgender Platzwart war und verantwortlich für alle Geräte sorgte. Nach dem Zusammenbruch hatte er nichts mehr zu behüten, außer eine gerettete „Abkreidemaschine“, welche noch jahrelang dem Sport treue Dienste tat.
Der sinnlose und furchtbarste aller Kriege war zu Ende. Er hatte viele Lücken in die Reihen der Sportler hinterlassen. So musste auch der hervorragende Zerbster
Torwart Hermann Haberland, genannt „Menne“ Haberland, noch zum Schluss in den Krieg ziehen. Er bleibt bis heute verschollen. Auch der einst Zerbster Junge Hans Plassa, der von frühester Jugend bei Viktoria 03 Fußball spielte, kam im Sommer 1945 wieder auf dem Zerbster Sportfeld an. Mit in Lumpen umhüllten durchgelaufenen Füßen, aus dem Konzentrationslager kommend, betrat er wieder den heimatlichen Boden. Eine Begebenheit, die ich als Kind im unserem Friedrich – Ludwig – Jahn Stadion erlebte und nicht wieder vergessen werde.

Die Hockeyabteilung

des ehemaligen 1. Zerbster Sportclub 1900 schloss sich im Jahre 1925 dem Sportverein "Viktoria" 03 Zerbst e.V. an. Sie bestand bis zum Jahre 1945.

Als dann im Jahre 1948 die Turn- und Sportgemeinschaft Zerbst (TUS 1948 Zerbst)
gegründet wurde, bekam der so erfolgreiche Zerbster Fußballsport wieder einen guten Namen über die Kreisgrenzen hinaus.
Hier soll nun die Geschichte eines Vereins enden, welcher nicht mehr bestehen
konnte, den vielen Zerbstern lieb und bekannt gewesenen.

Wie jeder Verein hatte auch der Sportverein Viktoria 03 e.V. Zerbst ein Vereinslied, welches in den vielen Wirren des Krieges herüber gerettet wurde und somit noch in Erinnerung bleiben sollte.

Das Viktorialied

Viktoria, so reich an Ehren
dir will ich ewig Treue schwören,
dein bin ich, wird ich immer sein,
du kampferprobter Sportverein.
Drum ruf ich laut: Hip, hip, hurra!
Hoch Sportverein Viktoria.

Du hast schon manchen Ruhm errungen,
manch starken Gegner schon bezwungen,
und wo du immer auch gastierst
wirst du mit Achtung respektiert.
Drum bringt dem Sportverein sein Teil
ein dreifach kräftiges Sportheil.

Als einst nach scharfen Kampfesreigen,
der Meistertitel ward dein Eigen,
da quoll’s hoch auf in meiner Brust
vor Siegesfreude Sportsmanns Lust.
Da drang der Schwur zu Himmelshöhn:
„Viktoria wird nicht untergehn!

Und dieser Geist soll weiter walten,
lasst einig uns zusammenhalten
und treulich stehen Hand in Hand,
zum alten rot – weiß – grünem Band.
Drum Brüder auf, hip, hip, hurra,
Hoch Sportverein Viktoria!

(Wer es getextet und welche Melodie es dazu gab ist leider noch nicht bekannt.)


Sale bei Heine